L.A. Noire
Was kommt dabei raus, wenn Mafia, Heavy Rain und Phoenix Wright einen flotten Dreier haben?
Seit Freitag ist das lang ersehnte L.A. Noire im Handel erhältlich. Vorweg sei gesagt: Rockstar Games fungierte ausahmsweise nur als Herausgeber. Entwickelt wurde das Spiel von Team Bondi. Die Softwareschmiede wurde 2003 im Känguruh-freundlichen Australien gegründet. Knapp sieben Jahre hat ihr erstes Spiel zwischen Ankündigung bis hin zur Veröffentlichung gebraucht. Jetzt ist es da und kann sich definitiv sehen lassen.
Im Los Angeles der 40er Jahre ist die Kacke am dampfen. Gewalt, Verbrechen und vorsätzliche Morde beherrschen immer mehr den Alltag. Detective Cole Phelps, vom Militär in den polizeilichen Dienst gewechselt, versucht den Gesetzesbrechern Einhalt zu gebieten. Dabei stößt er auf eifersüchtige Ehemänner, antisemitische Schuhverkäufer und pädophile Produzenten.
Humphrey Bogart lässt grüßen
Wer wegen des Covers samt Rockstar-Logo auf einen GTA-Klon im Stile von Mafia hofft, wird enttäuscht. L.A. Noire ist eine lange Reihe morbider Mordfälle, die gelöst werden wollen. Zwischendrin gibt es zwar immer wieder eine kleine Rätselpause, aber Ballerorgien oder Kamikaze-Fahrten á la Niko Bellic sucht man, glücklicherweise, vergebens. Schnell wird klar, dass dieses Spiel viel tiefer geht. Während eines Routine-Spaziergangs durch Los Angeles hört Polizist Cole Phelps Schüsse. Böses ahnend rennt er mit gezückter Waffe zum Ort des Geschehens, findet aber nur noch eine Leiche vor.
Die ersten vier Fälle dienen als Einstiegshilfe ins Spiel und erklären leichtverständlich die Spielmechanik. Man sucht nach Indizien, Tathintergründen und Motiven. Um diese zu bekommen, durchleuchtet man den Tatort nach Spuren, befragt Zeugen oder untersucht den Leichnam. Wer Heavy Rain gespielt hat, fühlt sich schnell wohl. Andere gewöhnen sich erst einmal ans intensive Erbsen zählen.
Nach kurzer Zeit hat man das System durchschaut und die Detektivarbeit wird eine herausfordernde und spannende Aufgabe. Durch die Musik gestützt, weiß man, wo Beweise liegen könnten. Ein kurzer Ton bestätigt einen Fund und man kann sich in aller Ruhe umschauen. Gegenstände werden in die Hand genommen und penibel untersucht. Dabei dreht und wendet der Spieler alles was ihm unter die Finger kommt. Könnte es sich um die Mordwaffe handeln? Wer befindet sich neben dem Opfer auf dem Foto? Warum hat der Tote ein Ticket nach Seattle gebucht? Und sollte man eine Frage einmal nicht beantworten können, kann man einen Intuitionspunkt setzen. Nach Benutzung werden alle Spuren auf der Karte aufgedeckt. Man kann die Spuren dann in Ruhe abklappern und eingehend unter die Lupe nehmen. Sobald man alle Indizien eingesammelt hat, verstummt der Sound und man kann sich anderen Aufgaben zuwenden. Darüber hinaus können die Punkte auch im Verhör benutzt werden. So bekommt man beispielsweise die Antworten anderer Spieler angezeigt. So fällt es leichter zu urteilen, ob der Gegenüber lügt oder die Wahrheit spricht.
Entscheiden kann man sich zwischen „Wahrheit, Anzweifeln und Lüge“. Angenommen der Verhörte lügt, wählt man „Lüge" und muss es mit den gesammelten Informationen beweisen. Das Team Bondi hierbei von Nintendo’s Advokaten-Spiel Phoenix Wright inspiriert wurde, lässt sich nicht von der Hand weisen.
Die einzelnen Geschichten sind spannend erzählt und einmal angefangen, möchte man so schnell nicht aufhören. Insgesamt 21 Hauptmordfälle gibt es zu lösen. Daneben noch 40 Nebenfälle, die aber meist nach dem gleichen Muster ablaufen. Jemand wurde erschossen/ist kurz davor erschossen zu werden, man verfolgt den Täter und erschießt ihn dann. Oder man verfolgt ihn erst gar nicht und erschießt ihn direkt. Abwechslung gibt es in den Nebenmissionen leider nicht. Nach kurzer Zeit sind sie eher ein langweiliger Beigeschmack, als eine willkommene Abwechslung. Das hat auch damit zu tun, dass die Steuerung ein klein wenig missglückt ist. Der Analogstick reagiert zuweilen träge und die Zielgenauigkeit lässt zu wünschen übrig. Die Entwickler scheinen das Problem zu kennen, da oftmals unsichtbare Schienen den Charakter lenken, wenn man jemanden verfolgt. Hinzu kommt, dass Schießereien keine Herausforderung darstellen. Man kann sich in Rambo-Manier einfach in die Mitte der Gegner stellen und von links nach rechts alles abknallen, was einem vor die Flinte läuft. Das man dabei selber vor die Hunde geht ist unwahrscheinlich.
Somit liegt der Spielspaß ganz klar in den gut durchdachten Mordfällen. Clever gestaltete Rätsel und realistische Charaktere machen L.A. Noire zu einem Ausnahmespiel. Durch integrieren von echten Schauspielern ins Spiel gelingt eine authentische Atmosphäre. Da stört es nicht, wenn manchmal eine Figur ein wenig überspitzt reagiert.
Das Spiel hat alles was ein anspruchsvoller Spieler gerne hat: Lange Spielzeit, eine spannende Geschichte, fordernde Rätsel und ein wenig Innovation. Wären die Nebenmissionen ein wenig abwechslungsreicher, die Steuerung ein wenig präziser und manches Verhör glaubwürdiger, hätte es definitiv eine >90% Wertung gegeben. Trotzdem ist das Spiel eine ganz klare Kaufempfehlung und sollte in keiner Videospielesammlung fehlen.
Bewertung:
Erhältlich für: Xbox 360 und Playstation 3.
Getestet wurde die Xbox 360 Version.
Weiterführende Links:
Herausgeber: http://www.rockstargames.com
Entwickler: http://www.teambondi.com/
Tags: Team Bondi, Rockstar Games, Mafia II, GTA, L.A. Noire, Casablanca, Detektiv, Kriminalfälle

Sehr nettes Detektivspiel in gut gestalteter Umgebung, welches sich auch meiner Meinung nach zu spielen lohnt!
AntwortenLöschenJedoch ist es schade, dass es am Ende eines Falles nicht ganz klar ist, ob man den Richtigen gefasst hat oder dieser noch auf freien Fuß ist.