Alice: Madness Returns
Zu spät kommen wird mit dem Tod bestraft
Am Donnerstag erscheint die Fortsetzung zu American McGee‘s Klassiker Alice. Obwohl der erste Teil ein gefeierter Plattformer ist, hat die Fortsetzung fast elf Jahre auf sich warten lassen. Kreativkopf McGee steckt wieder einmal hinter der Idee und Geschichte zum Spiel. Entwickelt wurde das Ganze dieses Mal von Spicy Horse. Die Spieleschmiede zeichnete sich bisweilen für iPad Spiele aus. Ob der erneute Trip ins Wunderland, mit einer jugendlichen Alice, genauso abstrus, wie spaßig ist, erfahrt Ihr auf den nachfolgenden Zeilen.11 Jahre lang lebte Alice in einer Irrenanstalt, nachdem ihre Eltern, samt Schwester bei einem Feuer qualvoll ums Leben gekommen sind. Nicht nur, dass sie sich die Schuld an dem Feuer gibt, ihre Erzählungen rund ums Wunderland glaubt ihr niemand. Stattdessen wurde sie für verrückt erklärt. Doch kurz nach ihrer Entlassungen, fangen die Visionen wieder an. Und Alice findet sich in einer alptraumhaften Fantasie eines einst schönen Wunderlands wieder. Bereit sich ihren eigenen Dämonen zu stellen, macht sie sich auf, um die natürliche Ordnung wieder herzustellen.
Nichts ist, wie es scheint
Das Spiel beginnt in einem heruntergekommenen und öde anzusehenden London. Auch die Grafik ist dabei nicht schön anzusehen und hinterlässt erst einmal einen schlechten ersten Eindruck. Ohne großartige Einleitung oder einem wirklichen Ziel, wird der Spieler in die eintönige Welt geschmissen. Ohne den Entwicklern etwas unterstellen zu wollen, war dies aber bestimmt pure Absicht. Denn nach kurzer Zeit findet man sich im farbenfrohen, detailreichen Wunderland wieder. Doch die Freude hält nur von kurzer Dauer. Man trifft auf die Grinsekatze, die einem die Situation, in der sich die Fantasiewelt befindet, erläutert. Und obgleich Alice nicht auf Streit aus ist, kommt sie ums kämpfen nicht drum herum. Zum Glück begegnet sie aber einem alten Bekannten: Die Vorpal Blade (zu Deutsch: Scharfe Klinge).
Von dort an schnetzelt und metzelt Ihr alles was euch in die Quere kommt. Die Steuerung ist leicht verständlich und sehr gut umgesetzt. Mit X schneidet ihr durchs gegnerische Fleisch, auf RT holt ihr den Pfefferspender hervor und mit Y das Hobbypferd. Es gibt insgesamt vier Waffen, die alle ihren Zweck erfüllen. So können manche Gegner nur durch geschickte Kombinationen zweier Waffen besiegt werden. Dabei sind die Feinde so vielfältig wie ein Drei-Gänge Menü bei McDonalds. Man hat von jedem Etwas, es ist verschieden und man muss es anders bekämpfen. Aber im Kern ist es dasselbe. Und ja, das ist etwas Gutes. Die Kämpfe selber haben einen enormen Spaßfaktor, da man nicht mit einfachem Gekloppe, sondern nur mit wohl überlegtem Vorgehen gewinnen kann. Darüber hinaus muss man geschickt sein und darf sich nicht an einer Stelle aufhalten. Hier macht Alice: Madness Returns definitiv alles richtig.
Schade ist nur, dass die Steuerung ganz selten mal versagt und man unabsichtlich in eine Gegnermenge reinrennt oder den falschen Gegner anvisiert. Dabei kann es schnell passieren, dass das Geschehen unübersichtlich wird und man das Zeitliche segnet. Außerdem reagiert die Steuerung in ganz seltenen Fällen nicht, was beispielsweise beim musikalischen Notenspiel sehr frustrierend sein kann.
Doch um zu verhindern, dass Alice ein frühes Rückfahrticket aus dem Wunderland nimmt, kann man kurz vor dem Tod Hysterie einsetzen. Mit einem Druck auf den linken Analogstick schreit Miss Little auf und ist für kurze Zeit unverwundbar und macht doppelt so viel Schaden. Dabei wird die Umgebung kunstvoll in schwarz/weiß/blutrot gehüllt.
Aber neben den blutgetränkten Kämpfen gibt es noch viel mehr zu entdecken. Abwechslung stand bei den Entwicklern anscheinend an oberster Stelle. So gibt es nicht nur klassische Plattform-Elemente, bei denen von a) nach b) gesprungen wird. Sondern auch eine deftige Portion Minispiele. Side-Scrolling-Action, 2D-Papier Level (Paper Mario lässt grüßen), Mini-Quiz-Einlagen und noch mehr. Darüber hinaus gibt es noch alle möglichen Gegenstände einzusammeln. Erinnerungen, welche die Geschichte vorantreiben. Zähne, die man gegen Waffenupgrades eintauschen kann. Flaschen, deren Nutzen sich erst später erschließt. Und Schweineschnauzen, welche man abschießen muss, um beispielsweise neue Wege freizulegen. Langeweile kommt bei diesem Spiel nicht auf.
Außer man befindet sich außerhalb des Wunderlands. Die Passagen sind zwar nur sehr wenig und kaum vorhanden, dafür aber auch unschön anzusehen. Wo man hinsieht gibt es Grafikmatsch. Einfache Texturen drübergelegt und keine wirklichen Interaktionsmöglichkeiten. Die Menschen stehen nur drum rum. Außerdem scheint mit einem Mal auch jeder verstummt zu sein. Denn was Alice sagt oder denkt, kann man nur noch nachlesen. Das hätten die Entwickler eigentlich besser hinbekommen können.
Davon abgesehen, ist die Geschichte spannend erzählt und bringt eine Menge Tiefgang mit sich. Besonders die, wenn der Ausdruck erlaubt ist, Abgefucktness ist so groß in dem Titel, dass man ihn einfach gespielt haben muss. Insbesondere der stimmige Soundtrack unterstreicht das Gefühl noch einmal.
Wären einzig die Frustmomente nicht, die sich durch Unübersichtlichkeit oder eine manchmal träge reagierende Steuerung ergeben, hätte das Spiel sicherlich eine Bewertung jenseits der 90% verdient.
Aber auch so ist Alice: Madness Returns ein unterhaltsames Spiel, mit Langzeitspielspaßfaktor und viel Inhalt zum unterhalten. Wer also gerne auf Plattformer, fordernde Kämpfe, kleine Rätsel und taffe Mädchen steht, der sollte am 16. Juni zum Händler seines Vertrauens. Denn dann erscheint das Spiel für PC, Xbox 360 und Playstation 3.
Vielen Dank an EA Games für die Bereitstellung des Testexemplars.
Erhältlich für: PC, Xbox 360 und Playstation 3.
Getestet wurde die Xbox 360 Version.
Weiterführende Links:
Herausgeber: http://www.ea.com/de/
Entwickler: http://www.spicyhorse.com/



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